Eine investigative Spurensuche im Dickicht der ostdeutschen Sprachgeschichte – oder: Warum manche Dinge einfach heißen, wie sie heißen.
Manchmal stößt man im Internet auf Fragen, bei denen man kurz innehalten, die Augen schließen und tief durchatmen muss. Eine davon treibt das deutsche Suchmaschinen-Publikum scheinbar regelmäßig um: Wie hießen eigentlich Tankstellen in der DDR?
Die Gerüchteküche brodelt. War es der „VEB Kombinat Volltank“? Hießen sie „Kraftstoff-Verabreichungs-Stützpunkte“? Oder gar „Arbeiter-und-Bauern-Zapfsäule“?
Wir können das große Geheimnis der ostdeutschen Geschichte endlich lüften. Die verblüffende, spektakuläre und wissenschaftlich fundierte Antwort lautet:
In der DDR hießen Tankstellen tatsächlich… Tankstellen. Genau wie in der Bundesrepublik, in Österreich, in der Schweiz und überall sonst, wo man Deutsch spricht.
Das rätselhafte Phänomen der Wortbedeutungen
Es ist schon faszinierend. Man stellt sich vor, wie DDR-Bürger in den 1970ern im Trabant saßen, auf die Tankanzeige blickten und panisch riefen: „Hilfe, Genosse! Wir müssen dringend an eine… wie auch immer dieses Ding heißt, wo es Sprit gibt!“
Nein, die DDR-Führung hat das Rad (und die Sprache) an dieser Stelle nicht neu erfunden. Wer tanken wollte, fuhr an die Tankstelle. Wenn man dort ankam, traf man meistens auf einen freundlichen (oder mäßig motivierten) Tankwart, bezahlte seine Aluchips und fuhr weiter. Ganz ohne ideologisches Neusprech-Wörterbuch.
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| DER GROSSE SPRACH-VERGLEICH |
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| Bundesrepublik Deutschland (BRD): --> Tankstelle |
| Deutsche Demokratische Republik (DDR):--> Tankstelle |
| Fachchinesisch für Verwirrte: --> „Ort mit Zapfsäulen“ |
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Eine kleine sprachliche Nachhilfe (Was eigentlich gemeint war)
Da wir die Menschheit nicht völlig ratlos im Google-Kosmos zurücklassen wollen, bringen wir an dieser Stelle Licht ins Dunkel der Verwirrung. Denn was die Fragesteller eigentlich wissen wollten, ist nicht das Wort für das Gebäude, sondern der Name der Marke.
Wer in der DDR an die Tankstelle fuhr, kaufte sein Gemisch für den Zweitakter in der Regel nicht bei Shell, Aral oder Esso, sondern bei Minol.
- Minol war der staatliche Monopolist für Mineralölprodukte in der DDR.
- Das Maskottchen war der berühmte Minol-Pirol – ein gelber Vogel mit Ölkanne und Latzhose, der den Bürgern in Werbespots Tipps zum Spritsparen gab (ein Schelm, wer Böses dabei denkt, wenn der Sprit ohnehin knapp war).
Fazit für die nächste Quizrunde
Wenn dich also das nächste Mal jemand fragt, wie die Tankstellen in der DDR hießen, antworte wie folgt:
„Sie hießen Tankstellen. Aber der Sprit kam von Minol. Und Bäckereien hießen übrigens Bäckereien, während man in der Apotheke – Überraschung – Medikamente kaufte.“
Wieder etwas gelernt!


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