Zum Inhalt springen

Das Scheitern von Huhnewitz: Wie vier Event-Könige den gleichen Sportplatz stürmten

HUHNEWITZ-BÄRENBERG. Das verflixte dritte Augustwochenende wirft seine Schatten voraus. In Huhnewitz-Bärenberg droht der totale Kollaps der lokalen Festkultur. Gleich vier verschiedene Parteien versuchten in den letzten Wochen, das absolute Event-Highlight des Sommers auf die Beine zu stellen. Dass sie sich dabei nicht nur gegenseitig das Publikum abgraben, sondern exakt denselben Sportplatz buchen wollten, flog erst auf, als Frau Hupfnagel (64) vom Ordnungsamt die Anträge auf ihrem Schreibtisch stapelte.

Das Quartett des Grauens: Vier Visionen, ein Sportplatz

Die Ausgangslage im Dorf ist an Kuriosität kaum zu überbieten. Die Beteiligten spiegeln den Zustand moderner ländlicher Event-Verzweiflung perfekt wider:

  • Der Heimatverein: Der traditionelle Dorf- und Heimatverein wollte wie jedes Jahr das klassische Heimatfest ausrichten. Doch die Besucherzahlen bröckeln seit Jahren, das Budget ist knapp und die Jugend bleibt weg.
  • Der Abfindungs-König Holger (59): Kürzlich mit einer üppigen Konzernabfindung freigestellt, hielt Holger das Vereinsleben nicht mehr aus. Sein Ego verlangte nach Größerem. Sein Plan: Eine gewaltige „Malle-Abrissparty“ auf dem Sportplatz mit einem eingekauften Ballermann-Promi, um den „verstaubten Vereinsmeiern“ zu zeigen, wie man richtig Kasse macht.
  • Die Tekkno-Enkel Jonas und Ricky: Die Enkel des Heimatvereins-Vorstands planten die Gegenrevolution. Eine krasse Tekkno-Party auf dem Rasen, Eintritt frei. Getankt werden sollte Sternburg-Export aus der Flasche für 1,50 € unter einem klapprigen 3×3-Meter-Pavillon. Die Kosten für die Anlage wollten sie clever über Sponsoren decken. Doch bei der Akquise kassierten sie eine blutige Nase: Weder die örtliche Physiotherapie noch der ambulante Pflegedienst wollten ihr Logo auf einem Tekkno-Flyer sehen. Selbst der regionale Online-Shop für Mehlwürmer sagte eiskalt ab.
  • Die Nostalgiker Kevin und Sandra: Das frischgebackene Elternpaar vermisste schlicht die Dorfdisco von früher. Ihr Konzept: Ehrlicher Bums, billige Preise und das 0,4-Liter-Zapfbier für maximal 2,50 €, damit sich auch junge Familien mal wieder eimerweise Kaltgetränke leisten können.

Das Tribunal im Gemeindeamt

Am Dienstagmorgen platzte Frau Hupfnagel der Kragen. Die Beamtin steht unmittelbar vor der Rente und hat in ihren 40 Dienstjahren im Amt so ziemlich jeden Huhnewitzer Irrsinn erlebt. Doch diese geballte Ladung Egomanie war selbst für sie zu viel. Was die vier Parteien nämlich vergessen hatten: Frau Hupfnagel ist nicht nur die Sachbearbeiterin, sondern auch die Cousine von Holger, ehemals selbst im Vorstand des Heimatvereins, die Tante von Kevin und die direkte Nachbarin von Jonas.

Kurzerhand zitierte sie alle vier Parteien punkt 08:00 Uhr gleichzeitig ins Zimmer 104 des Gemeindeamts. Die Blicke im Raum sprachen Bände, als der Abfindungs-Holger im Marken-Poloshirt auf die verkaterten Tekkno-Enkel und die gestressten Jungeltern traf.

Frau Hupfnagel schlug die Aktenordner so laut auf den Holzschreibtisch, dass die Kaffeetasse wackelte. Sie schaute über den Rand ihrer Lesebrille, atmete tief durch und brüllte in die Runde:

„Ihr habt doch alle gewaltig einen am Helm! Merkt ihr eigentlich noch irgendwas? Ihr fahrt euch hier gegenseitig vollkommen über die Füße! Vier Anträge für dieselbe Wiese, am selben Wochenende im August! Glaubt ihr im Ernst, Huhnewitz hat 10.000 Einwohner, die erst zum Ballermann-Grölen gehen, sich danach zu Tekkno die Birne wegdröhnen, zwischendurch 2,50-Euro-Bier trinken und am Ende noch beim Heimatverein Blasmusik hören?“

Ein Dorf vor der Zerreißprobe

Die Stille im Büro war schneidend. Holger druckste etwas von „professionellem Eventmarketing“ herum, während Jonas leise einwandte, dass die Mehlwurm-Absage ohnehin das Budget gesprengt hätte.

Frau Hupfnagel gab allen Beteiligten eine Frist von 48 Stunden, um entweder ein gemeinsames Konzept auf die Beine zu stellen oder sämtliche Anträge ersatzlos zu streichen. Ob es im August nun Tekkno-Bässe über Bratwurstständen gibt oder der Sportplatz leer bleibt, entscheidet sich in den nächsten Tagen. Eins ist sicher: Frau Hupfnagel zählt bereits die Tage bis zu ihrer Pensionierung.

Kommentare sind geschlossen, aber Trackbacks und Pingbacks sind möglich.